Welchen Wald braucht Deutschland?

Geht es nach ihrem Willen, sollen 10 % des öffentlichen Waldes auf zusammenhängenden Flächen aus der forstlichen Nutzung genommen und rechtlich verbindlich als „Urwälder von morgen“ ausgewiesen werden. Nur so könne die „Nationale Strategie zur biologischen Vielfalt“ umgesetzt werden. Sie gehen sogar soweit zu behaupten, die Forstwirtschaft zerstöre das Waldnaturerbe Deutschlands, was auf massive Kritik nicht nur der kommunalen Waldbesitzer stößt. Im Bewusstsein, dass die Deutschen ein ganz besonderes Verhältnis zu ihrem Wald haben, werden hier allzu offensichtlich Ängste und Sorgen geschürt, um daraus verbandspolitisches Kapital zu schlagen. Nach dem Atomausstieg kreieren die Umweltverbände sich kurzerhand ein neues Feindbild „Forstwirtschaft“, um sich dann als Retter eines vermeintlich bedrohten heimischen Waldes zu generieren.

Für einen neuen Typ „Klimagerechter Nationalpark“

Vor dem Hintergrund der Atomkatastrophe in Japan und der von der Bundesregierung beschlossenen Energiewende erhalten die Forderungen nach Nutzungsverzicht zunehmende energiepolitische Brisanz. Für die Zukunft des Kommunalwaldes stellen sich zentrale Fragen:

  • Welchen Wald braucht Deutschland?
  • Wie sollen die öffentlichen Wälder zukünftig bewirtschaftet werden?
  • Welche Lasten können wir dem Wald noch zumuten? Befinden wir uns mit unserer Wald- und Naturschutzpolitik und den bisherigen Strategien nach Fukushima noch auf dem richtigen Weg?

Die kommunalen Waldbesitzer setzen sich für einen Paradigmenwechsel in der rot-grünen Waldpolitik des Landes ein und fordern eine neue „Vorwärtsstrategie“. Dass dies dringend erforderlich ist, belegen auch neue wissenschaftliche Untersuchungen des Instituts für Weltforstwirtschaft in Hamburg. Das vom Landesbetrieb Wald und Holz NRW in Auftrag gegebene Gutachten kommt zu dem Ergebnis, dass Nullnutzung der Wälder keine Option für den Klimaschutz ist. Statt immer mehr Wald stillzulegen und neue Nationalparke und Wildnisgebiete auszuweisen, unterstützt der Gemeindewaldbesitzerverband den Vorschlag des Gemeinsamen Forstausschusses der Bundesvereinigung der kommunalen Spitzenverbände „Deutscher Kommunalwald“ und fordert einen neuen Typ, eine neue Generation von  „Nationalpark“. Hier soll der Wald vollständig auf die Buche als nationales Erbe umgestellt werden, gleichzeitig aber nachhaltige Nutzungen nicht ausgeschlossen werden. Das Ziel: Die Wälder sollen ihren wichtigen Beitrag zur Energiewende und zum Klimaschutz leisten können.

Waldstilllegung schadet Energiewende 

Ohne die forstliche Nutzung des Waldes droht die Energiewende zu scheitern. Der von der EU, Teilen der Politik und der Umwelt- und Naturschutzverbände geforderte Totalschutz und die „Nullnutzung großer Waldgebiete“ schadet dem Ziel, Deutschland soweit wie möglich von fossiler Energie abzukoppeln. So hat auch die EU-Kommission bereits in ihrem Grünbuch zum Waldschutz festgestellt, dass langfristig eine nachhaltige Waldbewirtschaftung zur Erhaltung oder Verbesserung der CO2-Speicherkapazität der Wälder und eine nachhaltige Produktion von Nutzholz, Holzwerkstoffen und Brennholz den größten Beitrag zum Klimaschutz leisten. Ideologische und politisch motivierte pauschale Stilllegungen der heimischen Wälder sind somit weder ökonomisch noch ökologisch sinnvoll.

Die Stilllegung von 10 % des öffentlichen Waldes bzw. alter Buchenwälder schadet nicht nur der Energiewende, sondern gefährdet auch die gesamte Laubsägeindustrie. Der daraus entstehende volkswirtschaftliche Schaden wird von Experten auf jährlich bis zu 2 Mrd. Euro geschätzt. Dies entspricht etwa 42.000 Arbeitsplätzen im Cluster Forst & Holz.  In Zeiten knapper Energie und auch Geldressourcen stehen zudem zukünftig immer weniger Transferleistungen zum Schutz und der Weiterentwicklung der Wälder zur Verfügung. Umso mehr sind die Forstbetriebe aus Einnahmen aus dem Holzverkauf angewiesen, um überhaupt noch Naturschutzmaßnahmen im Wald finanzieren zu können. Hier setzen die kommunalen Vertreter auch auf die über Jahrhunderte gewachsene Innovationskraft der Forstwirtschaft. Dieser grünen Fachkompetenz kann anvertraut werden, neue Waldstrategien in Zeiten knapper Kassen nicht nur fachlich, sondern auch unter finanziellen und betriebswirtschaftlichen Aspekten intelligent zu lösen.

Holz wird zum knappen Gut

Die Tatsache, dass Holz bei anhaltend starker Nachfrage zum knappen Gut wird und die Forderung nach Nullnutzung großer Waldflächen passen nicht zusammen. So ist der Verzicht auf den wichtigen Rohstofflieferanten Wald ist auch mit Blick auf die internationale Verantwortung Deutschlands und der prognostizierten Holzlücke problematisch. EU-weit zeichnet sich bereits heute bis zum Jahre 2020 eine Unterversorgung bis zu 400 Mio., in Deutschland bis zu 20 Mio. Kubikmeter Holz ab.

Das Holz, das die Waldbesitzer im Rahmen der schonenden Pflege ihrer Wälder nicht mehr nutzen dürfen, müsste dann Indonesien, Malaysia oder Sibirien mit oftmals schlimmen Folgen für die Umwelt und das KIima eingeschlagen werden. Dabei engagieren sich die Umweltverbände gerade in diesen Ländern für den Erhalt der letzten Urwälder. Mit einer stärkeren Nutzung der heimischen Wälder können die Waldbesitzer einen aktiven Beitrag zur Entlastung der Wälder in anderen Teilen der Welt leisten, wo nachhaltige Waldbewirtschaftung nicht immer sichergestellt ist.

Energiewende: Waldbesitzer mit ins Boot nehmen  

Bürgermeister Bernhard Halbe, der Vorsitzende des Gemeindewaldbesitzerverbandes: „Die Forstwirtschaft in Deutschland hat unter Beweis gestellt, dass nachhaltige Holznutzung und Naturschutz kein Widerspruch sind, sondern eine Symbiose. Deshalb darf die Energiewende am Wald nicht enden. Es stellt sich die Frage, ob wir es uns zukünftig überhaupt noch leisten können, auf die Nutzung unserer Wälder zu verzichten? Sind wir energiepolitisch, aber auch naturschutzfachlich noch auf dem richtigen Weg? Es muss doch intelligente Konzepte und Lösungen geben, wie man den Prozessschutz voranbringt, ohne den eingeschlagenen Weg der Nutzung zu verlassen!“.

Deshalb werden auch umweltbewusste Kommunen in NRW zukünftig bei kommunalen Bauprojekten und der Energieerzeugung auf Holz setzen. Damit wollen sie ihren wichtigen Beitrag zum Klimaschutz, zur Versorgungssicherheit, zur lokalen Wertschöpfung und Beschäftigung und insbesondere zur Stärkung des ländlichen Raumes leisten.

Es würde der Politik und dem Wald Schaden zufügen, die Waldbesitzer jetzt als Akteure und Träger der Energiewende nicht mit ins Boot zu nehmen. Der Gemeindewaldbesitzerverband fordert daher, dass zukünftig auch Vertreter des Clusters Forst und Holz zu den Arbeitsgruppen geladen werden, die den Klimaschutzplan des Landes NRW konkretisieren. Wald und Holz verfügen über erhebliches Potential zum Klimaschutz in NRW und die Fachexperten dieser Branchen wollen ebenfalls ihren Beitrag dazu leisten, damit das Manöver „Energiewende“ gelingen kann.

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