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Waldbesitzerverband

der Gemeinden, Gemeindeverbände und öffentlich-rechtlichen Körperschaften in Nordrhein-Westfalen  e.V.

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Langjähriger stellv. Vorsitzender Bürgermeister Franz Schrewe (Brilon) verabschiedet

Kommunen wollen über Waldbewirtschaftung selbst entscheiden
 

(Brilon, 17.06.2014): Auf der Mitgliederversammlung des Gemeindewaldbesitzerverbandes NRW wurde der stellvertretende Vorsitzende des Gemeindewaldbesitzerverbandes NRW, Bürgermeister Franz Schrewe (Brilon)  verabschiedet. Vorsitzender Bürgermeister Bernhard Halbe (Schmallenberg) sprach ihm Dank und Anerkennung für sein langjähriges Engagement für die Interessen der kommunalen Waldbesitzerfamilie  aus. 

So habe Schrewe  sich nicht nur auf der NRW-Ebene im Gemeindewaldbesitzerverband und im Obersten Forstausschuss und der Landesbetriebskommission, sondern auch auf der Bundesebene als Mitglied im Präsidium des Deutschen Forstwirtschaftsrates und im Gemeinsamen Forstausschuss „Deutscher Kommunalwald“ sowie auf der europäischen Ebene mit großem persönlichen Einsatz und Herzblut  für die Belange des Kommunalwaldes engagiert. Als Präsident der Europäischen Vereinigung gemeindlicher Waldbesitz (FECOF) sei es ihm nach seiner Wahl in 2010 gelungen, dem Kommunalwald  in der EU eine Stimme zu verschaffen und Türen in Brüssel zu öffnen. 

Ein besonderes Anliegen sei Schrewe die Harmonie der drei Säulen der forstlichen Nachhaltigkeit „Ökologie, Ökonomie und Soziales“ gewesen, insbesondere vor dem Hintergrund ständig steigender Ansprüche seitens  EU, Bund, Land und der Gesellschaft an den Wald.

Für den „Wald- und Holzfreund“ Schrewe sei Wald und Forst eine Generationenaufgabe, eine Jahrhundertaufgabe. Er habe sich immer dafür eingesetzt, dass alle Waldeigentümer, Jäger und Naturschützer zum Wohle des Forstes und zum Wohle des Holzes miteinander auskommen. Dabei habe er stets ein klares Bekenntnis für eine nachhaltige Forstwirtschaft abgelegt und deutlich gemacht, dass das Fällen von Bäumen keine  frevelhafte Tat sei.  Ohne die Einnahmen aus dem Holzverkauf könnten sich viele  Kommunen an vielen Stellen soziale und kulturelle Projekte nicht mehr leisten.

Als Nachfolger für Bürgermeister Franz Schrewe wählte die Mitgliederversammlung Bürgermeister Christoph Ewers (Burbach)  zum stellvertretenden Vorsitzenden des kommunalen Waldbesitzerverbandes.

„In der Diskussion über Stilllegung von Wäldern lehnen die Wald besitzenden Städte und Gemeinden eine  Bevormundung in der Waldbewirtschaftung und eine von „oben“ verordnete Wildnis ab. Kommunalwald ist Bürgerwald und wir wollen auch zukünftig unseren Wald so bewirtschaften, dass er dem Wohl der Bürger und der Daseinsvorsorge dient. 

Es gehört zum Selbstverständnis der kommunalen Selbstverwaltung, dass die bürgerschaftlich gewählten Stadt- und Gemeinderäte  über ihren Wald selbst entscheiden. Das Dezentralitätsprinzip garantiert dabei ein breites und buntes Waldspektrum, das auch den gesellschaftlichen Ansprüchen entspricht",  so Vorsitzender Halbe und Geschäftsführer Dr. Gerd Landsberg (Bonn) anlässlich der Mitgliederversammlung des Gemeindewaldbesitzerverbandes NRW beim größten kommunalen Waldbesitzer der Bundesrepublik Deutschland, der Stadt Brilon.

Gleichzeitig wehren sich die kommunalen Forstbetriebe in NRW dagegen, dass die überschuldeten öffentlichen Haushalte am Ende gezwungen werden sollen, ihre Wälder mit guten Wirtschaftsergebnissen aus der Produktion zu nehmen. Der Kommunalwald habe  unter Beweis gestellt, dass nachhaltige Waldbewirtschaftung, Holznutzung,  Natur- und Umweltschutz kein Widerspruch, sondern eine Symbiose seien. Erst die nachhaltige Forstwirtschaft habe zu der heute vergleichsweisen hohen Biodiversität gerade auch im Kommunalwald geführt.

„Weitreichende politische Weichenstellungen für die Bewirtschaftung der Wälder dürfen nicht über die Köpfe der Waldbesitzer hinweg umgesetzt werden. NRW-Forstpolitik muss alle Beteiligten mitnehmen und darf nicht, wie es seit längerem schleichend passiert, die Interessen von Umweltaktivisten und Umweltverbänden einseitig bevorzugen“,  warnen Halbe und Landsberg.  

Mit Blick auf die Umsetzung von Vorhaben des Rot-Grünen-Koalitionsvertrages hat sich der Gemeindewaldbesitzerverband NRW in der Frage „Wälder nutzen oder schützen“ klar positioniert:

-    Novelle Landschaftsgesetz / NRW-Biodiversitätsstrategie: „Schützen und Nutzen“
Der Gemeindewaldbesitzerverband lehnt pauschale Prozentsätze für Flächenstilllegungen im Kommunalwald strikt ab. Stattdessen sollen die Biodiversitätsziele in einem integrativen Landnutzungs- und -schutzkonzept auf ganzer Fläche erreicht werden. Nur so können die Waldbesitzer den neuen Herausforderungen wie Energiewende, Klimawandel und knapper werdenden Ressourcen wirklich gerecht werden.

-    Folgekostenabschätzung für Schutzgebietsausweisung
Der Gemeindewaldbesitzerverband hat sich in seiner Stellungnahme zum Landesentwicklungsplan-Entwurf NRW gegen weitere großflächige Naturschutzgebiete zur Schaffung eines landesweiten Biotopverbundsystems ausgesprochen. Die kommunalen Waldbesitzer fordern,  Schutzgebietsausweisungen grundsätzlich nur im Einvernehmen mit dem Grundeigentümer vorzunehmen und eine Analyse und Abwägung von Kosten und Nutzen durchzuführen.

-    Finanzieller Ausgleich für Waldstilllegung im Kommunalwald
Nach dem Grundsatz „Wer bestellt, zahlt“  fordern Kommunen einen vollständigen finanziellen Ausgleich – analog der Transferleistungen des Landes für Wildnisgebiete im Staatswald. Die Einnahmen aus dem Holzverkauf sind für viele Kommunen ein wichtiger Posten im städtischen Haushalt. Angesichts der kommunalen Finanzsituation können es sich die wenigsten Städte und Gemeinden leisten, auf diese Einnahmen zu verzichten. Finanzieller Ausgleich für den Nutzungsverzicht wird aber trotzdem bedeuten, dass der Holzwirtschaft der Rohstoff fehlt und der Nutzungsverzicht zum Verlust von Arbeitsplätzen in der Forst- und Holzwirtschaft führt.

-    Informationskampagnen: „Wald ist mehr als Wildnis“
Die Wildnisdiskussion ist ein gesellschaftlicher Prozess, der im Bewusstsein der Bürger und Bürgerinnen zu einem Zwei-Klassen-Wald (Wildnis gut, Waldbewirtschaftung und Holznutzung schlecht) führt – obwohl immer mehr Bürger Holzlesescheine fordern. 

Die Forstwirtschaft benötigt jetzt eine ganzheitliche Strategie, um diesen gesellschaftlichen Veränderungen Rechnung zu tragen. Mit breit angelegten Kampagnen soll das Land die Bürger und Bürgerinnen über die vielfältigen Leistungen des Waldes, der Forstwirtschaft und der Holznutzung zum Klimaschutz informieren. 

Das Ziel: In NRW muss wieder ein Gefühl dafür entstehen, dass in den Wäldern hohe Werte wachsen, deren Nutzung zur Wertschöpfung beiträgt, wovon gleichzeitig Naturschutz und Klimaschutz profitieren.

Rückfragen an: Ute Kreienmeier (stellv. Geschäftsführerin)
Tel.: 0228 – 95 96 227, Handy: 0171 – 95 33 684, E-mail: ute.kreienmeier@dstgb.de