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Waldbesitzerverband

der Gemeinden, Gemeindeverbände und öffentlich-rechtlichen Körperschaften in Nordrhein-Westfalen  e.V.

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Immer mehr Wald zu Wildnis?

In einem Interview zu Wildnis in Deutschland im WDR5 Morgenecho am 12. Januar 2016 äußerst sich Dr. Gerd Landsberg, Hauptgeschäftsführer des DStGB und Geschäftsführer des Gemeindewaldbesitzerverbandes NRW kritisch zur Naturschutzoffensive, immer mehr Wald zu Wildnis zu machen.

 

Was ist im Wildniswald noch erlaubt?

Nach Landsberg  gehe es nicht darum, dass der Kommunalwald gegen den Wildniswald ist, sondern um die ungeklärten Fragen: Was ist in diesem Wald noch erlaubt?  Forstwirtschaft und Holznutzung gehen verloren, in der Regel sei auch das Betreten verboten. Damit ginge auch die Erholungsfunktion verloren. Die waldbesitzenden Kommunen seien in Sorge, dass diese Anforderungen am Ende eine Verpflichtung auch für den kommunalen Wald werde. Dies sei aber von den Kommunen nicht gewollt. Die Kommunen wollten weiterhin selber entscheiden, ob sie ihren Wald nachhaltig bewirtschaften, als reinen Erholungswald nutzen, was zum Beispiel in den Großstädten eine große Rolle spiele oder ob sie bestimmte Gebiete als Wildnis erhalten.
Kritisch sieht Landsberg auch die Forderung nach 10 %-Stilllegung des öffentlichen Waldes und damit auch des Kommunalwaldes. Nordrhein-Westfalen habe zwar viel Wald, sei aber auch das bevölkerungsreichste Bundesland. Hier müsse der Wald gleichzeitig sowohl wichtige Wirtschafts- wie auch Erholungsfunktionen erfüllen. Bisher sei auch noch nicht beantwortet, welche Waldgebiete stillgelegt werden sollen. Handelt es sich um die ertragsstarken Standorte, wo man mit Holz heute sehr viel Geld verdienen kann? Sind es Waldgebiete in großen Städten, die man als Erholungswald braucht? Oder sind es eher periphere Waldgebiete, wo es weniger problematisch ist?

Kommunen wollen über Waldbewirtschaftung selbst entscheiden

Darüber hinaus würden den Städten und Gemeinden die Einnahmen aus dem Holzverkauf verloren gehen. Große waldbesitzende Kommunen wie Brilon würden eine verpflichtende Wildnis sicher nicht akzeptieren. Für Landsberg geht es dabei nicht um die Frage, ob die Priorität im Wald auf der Holzproduktion liege, sondern vielmehr um den Aspekt „Wer ist der Eigentümer?“.  Entscheidend sei hier die Befugnis des Eigentümers, selber zu entscheiden, wie er seinen Wald gestalten möchte.

Gegen „Zwei-Klassen“-Wald

Darüber hinaus habe der Kommunalwald noch eine andere Sorge. Es entstehe der Eindruck, es gebe den guten Wald, den Wildniswald. Und es gebe den schlechten, den von Förstern bewirtschafteten Wald. Dies sei objektiv nicht richtig. Für jeden geernteten Baum würden zwei neue gepflanzt. Das bedeute, dass die Klimafunktion des Wirtschaftswaldes größer sei als die des Wildniswaldes.